Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden

Tagung KOST in der Gedenkstätte am 11.01.2020 © Christine Bücher

Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden

Unterschrift
Ehemalige Bezirksverwaltung der Staatssicherheit. Politische Haftanstalt. Ort der Friedlichen Revolution

 

Die Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden ist ein Ort der Erinnerung, Bildung und Begegnung.

Sie erinnert an die Opfer der politischen Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR, dokumentiert deren Schicksale und macht sie der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich. Zudem bietet sie den Betroffenen Raum für Austausch und Begegnung.

Gleichzeitig erforscht die Gedenkstätte die Geschichte des historischen Areals. Sie untersucht Ursachen, Strukturen, Methoden und Folgen von Diktaturen sowie ihnen zugrundeliegende Ideologien. Die Ergebnisse fließen in die historisch-politische Bildungsarbeit ein. Dabei bildet der Bezug zu Grund- und Menschenrechten eine zentrale Reflexionsebene, wodurch die Verbindung zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen hergestellt werden kann.

Die Gedenkstätte pflegt die Zusammenarbeit mit vielen Partner-Organisationen, Bildungsträgern, Museen, Archiven, Vereinen aus Sachsen, Deutschland und den ostmitteleuropäischen Nachbarstaaten. Im Fokus des grenzüberschreitenden Austauschs stehen dabei insbesondere die Arbeit mit Zeitzeugen, die Geschichte der politischen Verfolgung und Opposition sowie die Systemtransformation in Ostdeutschland und den Staaten des ehemaligen „Ostblocks“.
Darüber hinaus bietet die Gedenkstätte mit Bildungs-, Diskussions- und anderen Veranstaltungen sowie Ausstellungen die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit vielfältigen historischen und aktuellen Themen.

 

 

Der historische Ort

Das Gelände der Staatssicherheit an der Bautzner Straße in Dresden war zu Zeiten der SED-Diktatur Wirkungsort eines umfassenden Repressionsapparats, verantwortlich für politische Verfolgung, Haft und psychische Folter. Dieser Überwachungs- und Haftkomplex wuchs inmitten des Dresdner Elbhangs, der bis dahin für gehobenes Wohnen mit Blick auf die Stadt und ihren Fluss stand. Hier errichteten die Sicherheitsapparate der sowjetischen Besatzungsmacht und der DDR ihren Hauptsitz für das Land Sachsen bzw. später für den Bezirk Dresden. Die unzerstörten Gebäude nahe der Kasernenanlage im Dresdner Norden, wo die sowjetischen Besatzungstruppen unterkamen, dienten fortan der Arbeit der Geheimdienste. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Sicherheitskomplex mit der Zahl seiner Mitarbeiter und Spitzel.

Die Gedenkstätte ist ein eindrückliches Zeitzeugnis der Unfreiheit in der DDR. In einem Rundgang durch den sowjetischen Haftkeller und das einzige original erhaltene Stasi-Untersuchungsgefängnis in Sachsen sowie durch Vernehmungs-, Büro- und Festräume der Staatssicherheit kann nachvollzogen werden, wie der staatliche Repressionsapparat seine politischen Gegner auszuschalten versuchte.

 

Sowjetisches Kellergefängnis

Zum Hauptgebäude des Komplexes wurde eine einstige Papier- und Kartonagenfabrik aus dem 19. Jahrhundert, die 1932 zum Mietshaus »Heidehof« umgebaut worden war. Es wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht nach Kriegsende konfisziert und ihren Sicherheitsorganen zur Verfügung gestellt. Diese nutzten zunächst die verstreut im Gelände liegenden Gebäude als Operativgefängnisse. 1950 wurde im Keller des ehemaligen »Heidehofs« das neue Dresdner Zentralgefängnis der sowjetischen Besatzungsmacht in Sachsen in Betrieb genommen. Die meisten der dort Inhaftierten waren aufgrund ihres Einsatzes für eine demokratische und freiheitliche Gesellschaft in der frühen DDR in die Fänge des sowjetischen Geheimdienstes geraten. Sie wurden durch Sowjetische Militärtribunale zu langjähriger Haft in sowjetischen Gefängnissen bzw. Zwangsarbeitslagern oder zum Tode verurteilt.

 

Stasi-Untersuchungshaftanstalt

Im Herbst 1953 übergab die Besatzungsmacht das Gelände an der Bautzner Straße dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Das Areal wurde zur Dresdner MfS-Bezirksverwaltung mit einer eigenen Untersuchungshaftanstalt ausgebaut. Zuvor hatte die Staatssicherheit ihren Sitz an der Königsbrücker Straße im Dresdner Norden. Die Unterbringung ihrer Untersuchungshäftlinge erfolgte ab 1954 im neu erbauten Hafthaus. In den 44 Zellen des Untersuchungsgefängnisses waren Menschen vornehmlich aus politischen Gründen inhaftiert. Sie wurden in der obersten Etage desselben Gebäudes verhört und nach durchschnittlich drei Monaten Untersuchungshaft in der Regel zu Freiheitsstrafen verurteilt, die in den Strafvollzugseinrichtungen der DDR verbüßt werden mussten.

 

Friedliche Revolution

Der historische Ort steht aber auch für die Überwindung der Diktatur. Das Bezirksamt für Nationale Sicherheit, wie die ehemalige Bezirksverwaltung Dresden des MfS seit dem 17. November 1989 offiziell hieß, wurde am 5. Dezember 1989 von Dresdner Bürgern gewaltlos besetzt. Ein Bürgerkomitee übernahm in Zusammenarbeit mit der Volkspolizei die Kontrolle des Geländes und begleitete die Auflösung der Staatssicherheit. Wo bisher Regimekritiker und DDR-Flüchtlinge inhaftiert gewesen waren, wurden nun die Akten der Staatssicherheit eingelagert und später der Stasi-Unterlagenbehörde übergeben. Die über zehn Kilometer Akten unter anderem der politisch Verfolgten und der zuletzt etwa 3.500 hauptamtlichen und 13.000 inoffiziellen Mitarbeiter im Bezirk Dresden geben Aufschluss über den Bruch von Grund- und Menschenrechten durch die DDR-Staatssicherheit unter Anleitung der SED. Sie dokumentieren die Schicksale der etwa 10.000 Menschen, die zwischen 1950 und 1989 von der Dresdner Staatssicherheit inhaftiert wurden.